Top-Fachzeitschrift würdigt Effectuation als Entrepreneurship-Theorie

Was in der Management-Fachzeitschrift "Academy of Management Review" veröffentlicht wird, erlangt weltweit Beachtung. So erging es auch Effectuation, als es 2001 als noch "kleine, neue Idee" dort in einem Artikel beschrieben wurde. Jetzt - 14 Jahre später - erscheint...

Lehre, Forschung und Praxis auf der 3. Effectuation-Konferenz

Am 8. und 9. Dezember 2014 fand an der Universität Twente in den Niederlanden die 3. Effectuation-Konferenz statt. 50 Teilnehmer aus 15 Ländern tauschten sich aus zu Forschungsthemen, aber auch zu Lehrformaten und Praxisprojekten. Das Interesse wird stärker und die...

3. Effectuation-Konferenz 8./9.12. in Twente

Zum dritten Mal werden sich interessierte PraktikerInnen, ForscherInnen und DozentInnen am 8. und 9. Dezember 2014 in der Region Twente zum Thema Effectuation treffen. Die Konferenz wird ausgerichtet von Jeroen Kraaijenbrink (Universität Twente) und Tiago Ratinho...

Unternehmerische Ansätze für Produktionsprozesse

Durch die zunehmende Globalisierung der Produktion sind Produktionsmanager immer größerer Unsicherheit ausgesetzt. Dies wird erschwert durch Kundenwünsche nach individuellen Produkten bei immer kürzeren Produktionszyklen. Unter diesen Rahmenbedingungen werden...

2. Effectuation-Konferenz in Lyon

Zum zweiten Mal haben sich 30 interessierte Forscherinnen und Forscher am 3. und 4. Juni 2013 in Lyon zu einer Konferenz getroffen, die sich ausschließlich mit Effectuation befasste. Stoßrichtungen waren dabei sowohl Forschungs- als auch Lehrinhalte. Die Konferenz...

Die internationale Entrepreneurshipforschung untersucht ökonomische Entscheidungssituationen, in denen unternehmerische Gelegenheiten durch eine oder mehrere Personen entdeckt oder geschaffen, bewertet und ausgeschöpft werden. Eine zentrale Frage lautet dabei: Existieren unternehmerische Gelegenheiten (Opportunities) per se oder schaffen die jeweiligen Unternehmer (Entrepreneure) diese erst durch ihre Aktivitäten? Diese Frage lässt sich an konkreten Beispielen wie ebay, Grameen Bank, Staples oder Starbucks Coffee weiter überlegen:

  • Waren hier die Märkte bereits vorhanden oder wurden sie „gemacht“?
  • Schafften hier die Opportunities die Entrepreneure?
  • Oder schaffen die Entrepreneure die Opportunities?

Schon anhand dieser wenigen Beispiele und Überlegungen lassen sich wesentliche Fragestellungen für die Entrepreneurshipforschung ableiten:

  • Wie denken, entscheiden und handeln erfolgreiche Gründer?
  • Gibt es Elemente, die Entrepreneure über Zeit, Branchen und Regionen hinweg gemeinsam haben?
  • Gibt es einen gemeinsamen lehr- und lernbaren Kern zum Unternehmertum?

Antworten auf diese Fragen liefert der Effectuation-Ansatz von Saras Sarasvathy. Effectuation beschreibt eine von erfahrenen Entrepreneuren bevorzugte Vorgehensweise der Problemlösung und Entscheidungsfindung. Der Effectuation-Ansatz stellt hierbei nicht bloß eine Abweichung von der kausalen, zielorientierten Vorgehensweise dar, sondern ist vielmehr eine Art des Denkens, die auf einer von kausalem Denken unabhängigen Logik aufbaut. Somit stellt Effectuation einen neuen wissenschaftlichen Zugang zu unternehmerischen Denken und Handeln bei innovativen Geschäftsideen und -modellen dar.

Die Kausale Logik basiert auf der Annahme, dass die Zukunft vorhersagbar ist. Im Sinne des Effectuation-Ansatzes wird die Zukunft hingegen als nicht vorhersehbar, sondern als durch menschliches Handeln gestaltbar angesehen. Hierin begründet sich letztlich auch die Namensfindung dieses Ansatzes, da „to effectuate“ am treffendsten mit „bewirken“ übersetzt werden kann. Das Gestalten des Entrepreneur steht folglich im Vordergrund.

Die folgenden beiden Abbildungen zeigen zum einen die Einsatzgebiete der vier Logikarten sowie zum anderen das graduell nicht klar abgrenzbare Einsatzgebiete der ‚effectual‘ Logik in einer Produkt-Markt-Matrix(1). Deutlich ist zu erkennen, dass sich die ‚effectual‘ Logik durch die Umfeldfaktoren Vorhersagbarkeit und Steuerbarkeit gegenüber der adaptiven und visionären sowie der kausalen Logik – als stärksten Gegenpol – abgrenzt(2).

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Im Bereich der adaptiven Logik positioniert sich das lernende Unternehmen so, dass es schnell und flexibel auf Veränderungen reagieren kann. Folglich soll die Zukunft nicht vorausgesagt werden; vielmehr steht der Ist-Zustand im Mittelpunkt der Betrachtung. Somit ist die Steuerbarkeit der zukünftigen (Markt-)Entwicklung als gering einzustufen.

Der visionäre Ansatz hingegen versucht, eine Organisation und deren Umwelt zu konstruieren, indem mögliche Zukunftsszenarien bewusst prognostiziert und selbst gesteuert werden. Voraussetzung hierfür ist letztlich eine hohe Vorhersagefähigkeit, was die Einordnung dieses Ansatzes im 1. Quadranten rechtfertigt.

Der Kausale Ansatz – der zugleich das Fundament der Literatur zum strategischen Management bildet – geht hingegen davon aus, dass aufgrund der guten Vorhersagbarkeit durch genaue Planung das bestmögliche Resultat erzielt werden kann. Da jedoch die zukünftige Entwicklung ungewiss ist, sollten hierbei mögliche Entwicklungen risikoprognostisch beachtet werden.

Folglich wird Effectuation vor allem im Bereich neuer Produkte auf neuem Märkten eingesetzt, diffundiert jedoch ebenso in Marktsituationen, in denen lediglich einer dieser Faktoren neuartig ist. Alleinig im Bereich bestehender Produkte auf bestehenden Märkten sinkt die Relevanz der Effectuation gegen Null. In solchen Marktsituationen wird primär kausal agiert, da die Vorhersagbarkeit relativ hoch eingestuft werden kann, die Steuerbarkeit jedoch eher gering ist.

Um nun die Frage zu beantworten, warum Unternehmer in bestimmten Situationen neue Unternehmen gründen, beschäftigt sich Effectuation mit der ‚Blackbox‘ der unternehmerischen Entscheidungsfindung. Der Effectuation-Ansatz liefert hierzu ein Erklärungsmuster, warum Entrepreneure in unsicheren Entscheidungssituationen Unternehmen gründen.

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Somit kommt die ‚effectual‘ Logik bei der Entstehung neuer Geschäftsmodelle, Produkte und Märkte vor allem in der Frühphase des Gründungsprozesses zum Einsatz. Ausgehend von den zur Verfügung stehenden Ressourcen („Wer bin ich?“, „Was weiß ich?“, „Wen kenne ich?“) stellt sich der Entrepreneur die Frage, was er mit diesen bewerkstelligen kann. Da einer dieser Ressourcen in persönlichen Kontakten zu finden ist („Wen kenne ich?“ und auch „Wer kennt mich?“), werden nach diversen Interaktionsprozesssen Vereinbarungen mit den Anspruchsgruppen (Kunden, Lieferanten, Investoren etc.) getroffen(3).

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Durch das Eingehen dieser verbindlichen Vereinbarungen mit Stakeholdern werden zwei einander entgegenwirkende Zyklen in Gang gesetzt: Zum einen werden die zur Verfügung stehenden Ressourcen durch neue Kontakte und damit die unternehmerischen Handlungsmöglichkeiten erweitert. Zum anderen werden die Grenzen der Handlungsfreiheit durch die geschlossenen Vereinbarungen sukzessive enger und konvergieren in Richtung bestimmter Ziele(4).

Der Effectuation-Ansatz postuliert hierbei folgende Prinzipien(5):

  1. Anstatt zu versuchen, die (unsichere) Zukunft zu planen, wird die Zukunft durch die bereitwillige Aktivität aller Beteiligten gestaltet.
  2. Anstatt zielorientiert vorzugehen, agiert der Entrepreneur mittelorientert: Ausgehend von den ihm zur Verfügung stehenden Ressourcen setzt der Entrepreneur seine unternehmerischen Ideen konsequent um.
  3. Anstatt eine aufwendige (und insbesondere bei hoch innovativen Ideen nahezu unmögliche) Wettbewerbsanalyse durchzuführen, knüpft der Entrepreneur Partnerschaften und baut sein soziales Netzwerk aus, um mit seinen. Partnern (strategische Partner, Kunden, Lieferanten, Investoren etc.) gemeinsam das Geschäftsmodell zu gestalten.
  4. Anstatt seine Entscheidung von (nicht korrekt zu bestimmenden) erwarteten Renditen abhängig zu machen, setzt sich der Entrepreneur bewusst eine (monetäre und auch psychologische) Grenze des vertretbaren Verlusts. Im Extremfall kann diese Grenze durchaus Null Euro betragen.
  5. Anstatt Unvorhergesehenes zu vermeiden und möglichst akribisch auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein, nutzt der Entrepreneur solche Kontingenzen zu seinen Gunsten und reagiert flexibel auf neue Entwicklungen des Umfelds.

Die folgende Abbildung zeigt diese Prinzipien des Effectuation-Ansatzes in einer schematischen Gegenüberstellung:

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Nachweisbar folgen insbesondere Expert Entrepreneurs, d. h. erfahrene Unternehmer mit früheren Geschäftserfolgen, in der frühen Gründungsphase dem Effectuation-Ansatz. Mit fortlaufender Geschäftstätigkeit und zunehmenden Marktinformationen nimmt der Anteil der kausalen Logik zu. Dabei sollte effectual und kausal nicht als sich ausschließende Gegensätze begriffen werden. Vielmehr stellen sie Endpunkte eines kontinuierlichen Spektrums dar. Ähnlich wie bei kognitiven beziehungsweise emotionalen Entscheidungen sind immer beide Attribute – jedoch in unterschiedlichen Ausmaßen – vorhanden.

Der hier skizzierte Effectuation-Ansatz bietet aufgrund seines Grundlagencharakters für unternehmerische Entscheidungen und der damit verbundenen Neuartigkeit für unternehmerisches Denken und Handeln vielfältige Möglichkeiten für spannende Forschungsprojekte.

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(1) Vgl. Saras D. Sarasvathy: Effectuation. 2008, S. 58.
(2) Vgl. auch im Folgenden Robert Wiltbank, Nicholas Dew, Stuart Read und Saras D. Sarasvathy: What to do next? The case for non-predictive strategy. In: Strategic Management Journal, 27 (10), 2006, S. 981-998.
(3) Vgl. Saras D. Sarasvathy: Effectuation. 2008, S. 101.
(4) Vgl. Saras D. Sarasvathy & Nicholas Dew: New market creation as transformation. In: Journal of Evolutionary Economics, 15 (5), 2005, S. 543f.
(5) Vgl. auch im Folgenden Saras D. Sarasvathy: Effectuation. 2008, S. 15f.